Coworking

Die BASF wurde am 6. April 1865 in Mannheim gegründet. Nur eine Woche darauf — angelockt von einer Subvention des bayerischen Königs Maximilian II — zog das komplette Unternehmen über den Rhein nach Ludwigshafen, wo es sich zum größten Chemiestandort der Welt entwickelte. Über 150 Jahre später könnte für einen Teil der Belegschaft eine erneute Westbewegung anstehen. Als Unterstützerin von 1000 Satellites, einem Coworking Anbieter, ist die BASF eine treibende Kraft hinter der Etablierung des dezentralen Arbeitens in der Rhein-Neckar-Region.

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Dezentrales Arbeiten heißt, dass nicht alle Mitarbeiterinnen ständig ins Büro kommen, sondern öfters an einem anderen Ort arbeiten. Und dieser andere Ort ist immer häufiger ein Arbeitsplatz in einem Coworking Space, der für ein paar Tage pro Monat gemietet werden kann. Das hat einen großen Vorteil: Man spart sich das Pendeln, das beispielsweise zwischen Wachenheim und Ludwigshafen täglich fast zwei Stunden mit dem ÖPNV in Anspruch nimmt (über eine Stunde mit dem Auto). Oft geht mit der Möglichkeit, näher am Wohnort zu arbeiten, auch eine größere Flexibilität einher. Gerade wenn man sich morgens und nachmittags um Kinder kümmern muss, ist es schwierig, jeden Tag genau die gleiche Arbeitszeit im gleichen Zeitraum zu erbringen. Da ist es extrem wertvoll, wenn man sich die Bürozeit flexibel einteilen kann.

Center of Gravity

Schon vor der Corona-Krise gab es starke Kräfte, die hinter diesem Trend standen: Die zunehmende Digitalisierung der Arbeit, die immer häufiger über das Internet erledigt werden kann. Die Infrastruktur, die das Pendeln mit dem Auto immer weiter erschwert (gerade in Ludwigshafen, wo der Abriss der Hochstraße noch über Jahre hinweg für enorme Belastung sorgen wird). Steigende Hauspreise in den Städten und im Umland, welche dazu führen, dass sich die Anfahrt zum Arbeitsplatz weiter verlängert. Aus diesen Gründen haben wir als FDP im Landkreis Bad Dürkheim auch die Unterstützung von Coworking-Spaces in unser Wahlprogramm 2019 aufgenommen.

Durch die Corona-Krise haben sich die langfristigen Trends nicht grundlegend geändert. 86 Prozent der Beschäftigten, die in Wachenheim wohnen, sind Auspendler, d.h. ihr Arbeitsort ist außerhalb der Stadt.[1] Für die meisten Dörfer und Städte in der Region ist die Bilanz ähnlich. Mit dem Ausbau des Breitband-Internets (bis Ende 2021 in der gesamten Verbandsgemeinde) und des 5G-Mobilfunks (seit Juni in Wachenheim verfügbar) sind auch die technischen Voraussetzungen gegeben.

Mit der Krise kamen noch zwei weitere Faktoren hinzu. Zum einen ist das Pendeln mit dem ÖPNV nicht nur noch nerviger geworden, sondern für viele Menschen auch so riskant, dass sie lieber auf das Auto ausweichen oder versuchen, die Fahrt ganz zu vermeiden. So wurden in den vergangenen Monaten 12000 Zeitkarten bei der RNV gekündigt.[2] Zum anderen wurden viele Unternehmen und Abteilungen quasi über Nacht dazu gezwungen, auf das verteilte Arbeiten umzusteigen. Dazu zählt übrigens auch die Verbandsgemeindeverwaltung Wachenheim. Einige der hastig durchgeführten Änderungen werden auch nach der Krise bestehen bleiben. Die langfristige Entwicklung beschleunigte sich so um mehrere Jahre.

Für die Kommunalpolitik bedeutet das vor allem, dass wir der Verbreitung von Coworking Spaces nicht im Weg stehen sollten. Nach dem Motto: Nichts ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Hoffentlich schaffen wir das auch mit geringerem finanziellen Einsatz als Maximilian II vor 150 Jahren. Seine Subvention in Höhe von 1,5 Millionen Gulden war nämlich höher als das gesamte in die Gesellschaft eingebrachte Kapital.

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