Das Oberstnest

Wer nach Wachenheim kommt und nach dem Weg zum Oberstnest fragt, dem ist leicht geholfen: Es ist das große, unbebaute Grundstück an der Friedelsheimer Straße, zentral gelegen zwischen Schule und kath. Kirche und nahe der Altstadt. Diese Frage wird jedoch niemals gestellt werden. Nicht etwa, weil es keine Gäste nach Wachenheim verschlägt, sondern weil das Oberstnest nur dann ein lohnendes Ziel ist, wenn man einige Kleider in den Altkleidercontainer werfen will, oder wenn der Parkplatz am Schwimmbad schon voll ist und es nicht vor kurzem geregnet hat.

Lage des Oberstnestes (c) OpenStreetMap

Das Oberstnest liegt nämlich seit Jahren zu großen Teilen brach. Und damit wird auch sein Potential nicht genutzt. Dabei böte sich hier eine einmalige Chance für die Stadtentwicklung von Wachenheim, ist das Grundstück doch in öffentlichem Besitz und auch im neuesten Flächennutzungsplan für den "Gemeinnutz" vorgemerkt. Als FDP setzen wir uns dafür ein, die Fläche für die Errichtung und den Betrieb eines Hotels zu verpachten. Ich möchte hier kurz die Gründe dafür ausführen.

Kein Raum in der Herberge

In Wachenheim gibt es derzeit nur ein einziges Hotel, welches sich am Ende der Waldstraße befindet, also weit entfernt von Altstadt und Weinbergen. Gäste, die nach Übernachtungsmöglichkeiten suchen, werden von der Tourist-Information nach Deidesheim verwiesen. Für Veranstaltungen wie Hochzeiten, Geburtstage und Trauerfeiern gibt es nur wenige Räumlichkeiten in Wachenheim.

Die Innenstadt hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Mittlerweile gibt es viele Restaurants, die externe Gäste anziehen. Gleichzeitig ist das Mountainbiking immer beliebter geworden. Wer nach Wachenheim kommt, ist also längst nicht mehr nur an einer Wanderung zum Eckkopf oder zur Wachtenburg interessiert. Generell ist der Weintourismus ein Wachstumsmarkt.[1]

Blick aus Nordwesten

In die Zukunft schauen

Ein weiterer Grund ist die langfristige finanzielle Planung der Stadt Wachenheim und der VG. Die Einnahmen der Stadt stammen nämlich nicht nur aus der Gewerbesteuer, welche direkt an die Stadt gezahlt wird, sondern auch aus anderen Steuern, welche vom Bund und den Ländern erhoben und teilweise auf die Städte verteilt werden.

In den letzten Jahren hat sich der Anteil der über-achtzigjährigen an der Einwohnerzahl Wachenheims mehr als verdoppelt.[2] Dieser Trend wird sich noch weiter verstärken. Wenn die Bevölkerung altert, gehen die Einnahmen durch Einkommenssteuer zurück. Die Kostenseite ist jedoch weniger flexibel.

alterung 2

Wir müssen daher versuchen, die Einkommensstruktur der Verbandsgemeinde an die Alterung anzupassen. Deshalb ist es unumgänglich, die Steuerbasis in der Stadt auszubauen, und dies geht am besten über den Tourismus. Fast sechzig Prozent des Umsatzes, der von Touristen generiert wird, gehen an Einzelhandel und Dienstleistungsbetriebe. Von unseren Gästen profitieren also nicht nur die Restaurants und Herbergen, sondern alle.

Auch die makro-ökonomischen Aussichten für das Gastgewerbe sind gut: Es ist nach dem Maschinenbau die Branche, die in den nächsten zehn Jahren am meisten von Produktivitätssteigerungen durch zunehmende Automatisierung profitieren wird.[3] Deshalb wirkt sich das geringere Angebot an Arbeitskräften, welches mit der Alterung einhergeht, hier weniger stark aus. Der Weinbau hingegen ist stärkeren Risiken durch den Klimawandel ausgesetzt.[4] Dieser wird zu einer größere Variabilität der Einkünfte führen, welche sich auch in der Stadtkasse bemerkbar machen wird. Auch aus diesem Grund ist es wichtig, die Finanzierung der Stadt auf ein breites Fundament zu stellen.

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